Die Krise der Deutschen Bank und die europäischen Horizonte

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Als wir vor Kurzem einige Finanzdokumente eines deutschen Kunden übersetzt haben, hätten wir alles erwartet, außer der Nachricht über den Ausschluss der Deutschen Bank vom Euro Stoxx 50 Index.

 

Was geht bei der Deutschen Bank vor sich?

Der deutsche Gigant steht seit einiger Zeit unter finanzieller Beobachtung zwischen Strafanzeigen, Restrukturierungsplänen mit Entlassungen, Ratingabstufungen und neuem Tief beim Aktienkurs.  Hinzu kommt ein konstanter Verlust von Großkunden und die Entscheidung der chinesischen Hna Group, ihre Beteiligung am Kapital der Deutschen Bank zurückzuziehen,, was etwa 8% des Gesamtkapitals entspricht.

 

Die Gründe für den Ausschluss vom Euro Stoxx 50

Der Hauptgrund für den Ausschluss vom Euro Stoxx 50 Index, der sich aus 50 großen, börsennotierten Unternehmen des Euro-Währungsgebiets zusammensetzt, ist auf den Einbruch der Aktienkurse zurückzuführen. Mit einem Wert von weniger als 10 Euro und einem Aktiencrash zu Beginn des Jahres von über 38% ist die Kapitalisierung auf 20 Milliarden Euro gesunken. Die Freigabe der Aktie aus dem Warenkorb findet am 24. September bei der üblichen vierteljährlichen Überprüfung statt.

Welche Zukunft?

Die Krise der einflussreichsten Bank in Europa eröffnet unvorhersehbare Szenarien und weckt bei den Wirtschafts- und Finanzakteuren gewisse Bedenken. Wir spüren die Sorge unserer Kunden, insbesondere bei denjenigen, die in der Finanzbranche tätig sind.

Derzeit besteht kein Risiko für eine weitere Krise à la Lehman Brothers, die Bedingungen der Deutsche Bank Krise sind völlig andere. Die Hauptprobleme der Lehman Brothers waren schlechte langfristige Investitionen und unsichere Finanzierungen. Die jüngsten Herabstufungen des Ratings der Deutschen Bank sind darauf zurückzuführen, dass sie Geld verliert und keinen klaren Weg in die Gewinnzone findet. Im Gegensatz zu den Lehman Brothers verfügt die Deutsche Bank über eine stabile und diversifizierte Finanzierungsbasis.

 

Steht eine Fusion mit der Commerzbank in Aussicht?

Europäische Banken sind immer noch zu klein, besonders angesichts der amerikanischen Riesen. Während die Marktkapitalisierung von JPMorgan Ende 2017 die 300 Milliarden Euro überschritten hat, und die Bank of America und Wells Fargo 200 Milliarden, erreichte Santander nur 88 Milliarden Euro, BNP Paribas 78 Milliarden, Société Générale und UniCredit 35 Milliarden und die Deutsche Bank 33 Milliarden.

Die Notwendigkeit, den „Giganten“ des europäischen Bankensektors Leben einzuhauchen, hat viele Analysen angeschoben und Fachleute dazu veranlasst, sich eine Fusion zwischen der Deutschen Bank und ihrem größten deutschen Konkurrenten, der Commerzbank, vorzustellen. Die beiden Unternehmen teilen dasselbe Krisenschicksal. Tatsächlich ist die Marktkapitalisierung der Commerzbank auf rund 10 Milliarden Euro gesunken und hat letzte Woche den DAX 30 verlassen. In diesen Wochen kam es oft zu Diskussionen mit deutschen Kunden, und für die meisten von ihnen, wäre die Fusion eine logische Entscheidung.

Erst vor einer Woche, bei der Nachricht über eine mögliche Fusion, schloss die Commerzbank mit einem Kursanstieg von 2,3% und die Deutsche Bank gewann 0,95%. Die Fusionshypothese scheint von der Commerzbank mehr Gefälligkeiten erhalten zu haben, als von der Deutschen Bank, die durch den Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing verlauten lies, dass eine Fusion in den nächsten 18 Monaten nicht in Aussicht stehe.

Dies zeigt, dass die Kommunikation in der Finanzbranche keine Fehler oder Missverständnisse zulässt, da sonst erhebliche Investitionen verloren gehen. Unsere Büros in München, London und Mailand ermöglichen es uns, immer in der Näher der Finanzzentren zu bleiben und wir beobachten mit Spannung die Entwicklungen.

Durch unsere Präsenz auf dem deutschen Markt gilt dem Geschehen dort unsere volle Aufmerksamkeit. Wenn wir Dokumente wie Finanzmitteilungen, Bilanzen oder Quartalsanalysen verwalten, sind wir uns unserer schwierigen Aufgabe bewusst. Obwohl sicher ist, dass die Stabilität des deutschen Systems eine Erholung und einen Ausstieg aus der Krise ermöglichen wird, bleibt die Fusion der beiden Banken derzeit eine notwendige und hoffentlich ausreichende Lösung.